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Mein erster „Solo" mit dem Segelflugzeug.
Hallo, mein Name ist Philipp Blumenstein, ich bin 16 Jahre alt und seit September 2008 im Aeroclub-Mülheim. Eingetreten am 20.9. und somit leider ziemlich am Ende der Saison, schaffte ich in dem ersten Monat doch noch 20 Starts. Diese Flüge machten sehr viel Spaß, da ich so Start und Landungen üben konnte.
Nach dem Ende der Flugsaison begann der Theorieunterricht für mich und die anderen Flugschüler. Dieser fand von Anfang November bis Ende März jeden Freitag in der Woche statt. Zusätzlich gab es den Funksprechzeugnis-Lehrgang, den alle Schüler Ende Januar erfolgreich bestanden haben.
Anfang April dann war es wieder soweit, die Flugsaison ging wieder los! Fast an jedem Flugtag war ich am Flugplatz und kam dadurch oft in die Luft. Ende April hatte ich schon 45 Flüge in meinem Flugbuch. Der 2. Mai war für mich ein ganz normaler Flugtag, wie für die anderen auch. Es waren 2 Fluglehrer anwesend. Mein erster Flug an diesem Tag war um halb 5 nachmittags, der zweite Flug ein paar Minuten später. Geplant hatten wir nach einem weiteren Start an der Winde noch einen vierten Flug, diesmal allerdings im Flugzeugschlepp. Den dritten Flug an diesem Tag absolvierte ich mit einem anderen Fluglehrer, wodurch bei mir schon die ersten Gedanken kamen, daß ich heute wohl meinen ersten Solo haben könnte, da am Tag zuvor mein Fluglehrer mich auch schon darauf angesprochen hatte.
Mein 50. Flug ging zu Ende, ich saß noch im Cockpit und wollte gerade aussteigen, als mein Fluglehrer zu mir sagte: "Aus dem F-Schlepp wird heut' nichts mehr, du machst jetzt deine 3 Soloflüge!".
Mein Herz schlug von einem zum anderen Moment höher. Zum einen konnte ich es gar nicht erwarten, endlich alleine zu fliegen, zum anderen war mir doch ein wenig mulmig, da ich nun komplett auf mich allein gestellt war. Nach dem Zurückrollen zur Startposition setzte ich mich wieder ins Flugzeug, ging meine Checkliste durch und bekam noch ein paar aufmunternde Worte von meinem Fluglehrer. Es wurde eingeklinkt, das Seil wurde straff und los ging's! Ein wunderbares Gefühl! Ich habe es einfach nur genossen! Teilweise habe ich unbewusst mit mir selbst geredet, teilweise aber einfach nur diese unvorstellbare Freiheit genossen, alleine ein Flugzeug zu fliegen. Es dauerte eine halbe Stunde, bis ich meine 3 Flüge absolviert hatte.
Jetzt kam der ungewöhnliche Teil, denn es gibt bei den Segelfliegern Rituale, die nach dem ersten Alleinflug stattfinden. Zuallererst bekam ich einen Strauß mit Brennnesseln und jeglichen anderen unschönen Pflanzen in die Hand gedrückt und wurde von allen durch das Zusammendrücken meiner Hände beglückwünscht. Dann musste ich mein Hinterteil hinhalten und jeder durfte mir einen kräftigen Klaps geben. Diese Rituale stärken das Gefühl für die Thermik in Händen und Po. Nach einer Runde im Clubheim am Ende des Flugtages, ging es ab nach Hause, wo meine Familie und Freunde schon ungeduldig auf mich warteten und wir mit einem Glas Sekt meine ersten Alleinflüge feierten.
So ging ein wunderschöner Tag zu Ende, der mir mein Leben lang in Erinnerung bleiben wird.
Im Clubheim.........Verrückte?
Die Dämmerung bricht herein, die Tische füllen sich, an der Theke holt man sich Getränke. Endlich nach dem herrlichen heißen Tag mit dem Bilderbuchwetter darf man sich ein Bier gönnen.
Hört man den Gesprächen zu, so kann bei einem Uneingeweihten der Eindruck entstehen, die Gesellschaft, die sich hier unterhält, gehört hinter geschloßene Mauern.
Ein Junge mit braungebranntem, gesunden Gesicht erklärt völlig nüchtern, daß er den ganzen Tag aus dem Saufen nicht heraus gekommen ist. Ein anderer verkündet gerade lauthals, daß er abgesoffen sei, weil er zu toll gerudert habe. Mit wedelnder Unterstützung seiner Hände macht ein, ansonsten sehr friedlich aussehendes , etwas älteres Semester seiner Tischrunde klar, daß er seinen Vogel aushungern mußte, um gerade noch nach Hause zu kommen.
Was soll man von dem jungen Mädchen in dem knappen Pullover halten, das seinen Begleitern gerade von seinem Dreimeterbart erzählt und erst recht von ihrer Freundin, die lautstark verkündet, daß sie immer Schwierigkeiten habe schnell aus dem Slip zu kommen und zu drücken. Die jungen glattrasierten Männer in der Runde nicken verständnisvoll und bedauern nur Zweimeterbärte ausgekurbelt zu haben.
Einer scheint auch den ganzen Tag gestrickt zu haben, weil er laufend den Faden beobachtet hat, ihn aber selten richtig stehen hatte. Gestört wird die Runde kurz, weil noch jemand gesucht wird, der hilft, den Lepo zu füttern und die Schleuder in den Stall zu bringen.
Freunde, wir sind in einer Fliegerkneippe und die Gesellschaft sind Segelflieger nach einem herrlichen erlebnisreichen Flugtag.
Segelfliegen im Winter.....Die Welle
Unter bestimmten atmosphärischen Bedingungen bilden sich in der die Berge überströmenden Luft wellenförmige Schwingungen aus, die sich bis in große Höhen fortsetzen. In diesen ortsfesten Wellen können Segelflieger im aufsteigenden Teil des Rotors mit konstanter Steiggeschwindigkeit bis zum Scheitelpunkt der Welle klettern und damit über 10000 m Höhe erreichen.
Die Wellen mit Rotoren bis in große Höhen treten im Alpengebiet, vor allem bei Föhn-Wetterlagen in dem Rhonetal und den südfranzösischen Alpen unter dem Einfluß des Mistrals auf. In der Zeit von Oktober bis April, wenn es in unseren Breiten keine Thermik gibt, ist also das Mekka der Segelflieger das Alpengebiet.
Uns zog es nach Fayence, einem kleinen Ort in der Nähe von Cannes. Das Flugzeug und den Anhänger hatten wir nach der Flugsaison bestens vorbereitet. Das schlechte Wetter bei uns machte den Abschied in den Süden leicht. Vor dem Erfolg und dem Erlebnis mußten die Einweisungsflüge mit den örtlichen Fluglehrern erfolgen. Dann kam das tagelange Warten auf die Welle. Die Wetterkarten werden laufend konsultiert und kommentiert: „Wenn dieses Tief nach Osten und das Hoch nach Norden,und, und...“. Aber wir haben keinen Einfluß auf das Wetter. Jeden Morgen schauen alle noch vor dem Frühstück über die Berge, um die, die Welle verkündende Wolke zu suchen. Dann eines Morgens ein Schrei „die Welle, die Welle“. An das Frühstück denkt keiner mehr. So schnell haben wir noch nie den Hangar ausgeräumt und am Start Aufstellung genommen. Die Startreihenfolge hatten wir schon zu Hause festgelegt, der Pilot kümmerte sich nur noch um seine Kleidung und den Barografen ,um ein anerkanntes Dokument über den Verlauf seines Fluges zu erhalten. Die anderen machten das Flugzeug startklar. Dick in wärmende Kleidung eingepackt, Sauerstoffgerät, Fallschirm, Barograf und Flugzeug startklar- der Wellenflug kann beginnen.
Die Schleppmaschine zieht mich in Richtung Norden über den Platz. Der Bodenwind ist schon ziemlich stark und macht es schwierig hinter der Schleppmaschine die Position zu halten. Wir gewinnen Höhe und in einer weiten Linkskurve umrunden wir den Flugplatz, um Kurs auf die Steinberge zu nehmen und den kalten Mistral zu suchen. Die Windgeschwindigkeit nimmt mit der Höhe stark zu und die Luft wird immer turbulenter. Das Flugzeug wird von harten Stößen geschüttelt. Und dann ereichen wir den nach unten drehenden Teil des Rotors. Was hier passiert ist nicht zu beschreiben, das muß man erlebt haben. Die Turbulenzen, die unseren Schleppzug durcheinanderschütteln, übersteigen alles was ich bisher an bockiger Luft erlebt hatte. Mit aller Kraft steuere ich hinter der vor mir torkelnden Schleppmaschiene, um sie immer genau vor mir zu haben. Wir müßen durch den Rotor durch, um den aufsteigenden Teil zu erreichen. Plötzlich wird es ganz ruhig und das Variometer zeigt „Steigen“ an. Das Steigen nimmt zu und die Schleppmaschine gibt das Zeichen zum Trennen. 500 m über dem Platz und das Steigen wird geringer. Rechts über mir ist ein weiteres Segelflugzeug. Ich halte darauf zu und plötzlich geht es wieder aufwärts mit über 3m/sek. Erleichterung, jetzt heißt es, die Welle nicht zu verlieren, nicht zu schnell, aber auch nicht zu langsam zu fliegen. Die Steiggeschwindigkeit geht wieder zurück, an Hand des Orientierungspunktes stelle ich fest, daß der Wind mich abgetrieben hat. Fahrt aufholen, den Standort verändern und schon klettert das Flugzeug wieder stetig. Der Höhenmesser geht auf 4000 m . Jetzt aber unbedingt die Sauerstoffmaske aufsetzen.
Die Temperatur ist auf -20°C gesunken. Dank der guten Kleidung fühle ich mich sehr wohl und eine Vereisung ist auch nicht vorhanden. Die Luft ist so klar, daß die Spitzen von Korsika zu sehen sind.
Bald sind über 5000 m erreicht und damit das Ziel des Fluges. Der Abstieg beginnt, damit die Kameraden auch noch rechtzeitig ihre Flüge durchführen können. Nach einer weiteren halben Stunde und dem Durchfliegen dieser großen Turbulenzen geht das Erlebnis wohlbehalten zu Ende.
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